Im Rhythmus der Organe
Ist zu viel drin, geht nichts Neues mehr hinein.
Der Dickdarm ist der grosse Meister des Loslassens – und gleichzeitig ein erstaunlicher Festhalter. Beides gehört zu seiner Natur. Denn nur wer sich von Altem verabschiedet, schafft Raum für Neues.
Loslassen ist jedoch nicht immer einfach. Manchmal halten wir an Gewohnheiten, Erwartungen oder Überzeugungen fest, obwohl sie uns längst nicht mehr dienen. Manchmal fällt es schwer, Nein zu sagen – aus Angst, jemanden zu enttäuschen oder etwas zu verpassen.
Dabei kann ein bewusstes Nein ein Ja zu sich selbst sein.
Nein zu noch mehr.
Nein zu dem, was nicht mehr passt.
Nein zu allem, was keinen Platz mehr hat.
Doch auch hier sucht der Körper die Balance. Wer nur noch loslässt, verliert vielleicht etwas Wertvolles. Wer alles festhält, schafft keinen Raum für Veränderung. Zwischen Festhalten und Loslassen entsteht jene innere Beweglichkeit, die der Dickdarm verkörpert.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird der Dickdarm auch mit unseren Glaubenssätzen in Verbindung gebracht. Manche begleiten uns seit unserer Kindheit, andere haben wir von unserer Familie, der Schule oder unserem Umfeld übernommen. Es lohnt sich, ihnen hin und wieder zu begegnen und sich zu fragen:
Entsprechen sie noch dem Menschen, der ich heute bin?
Die Partnerin des Dickdarms ist die Niere. Sie steht für unsere Essenz, unsere Wurzeln und das Vertrauen in die eigene Kraft. Vielleicht beginnt Loslassen genau dort – in dem Vertrauen, auf den eigenen Beinen stehen zu können.