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Warum kann ich so schwer loslassen?

Kennst du das?

Du weisst eigentlich, dass etwas vorbei ist. Eine Beziehung. Ein Streit. Eine Enttäuschung. Eine alte Vorstellung davon, wie etwas sein sollte.

Vielleicht weisst du sogar schon lange, dass es Zeit wäre, weiterzugehen.

Und trotzdem hältst du fest.

An einem Gedanken. An einer Erinnerung. An einem „Was wäre, wenn …?“.

Warum fällt Loslassen manchmal so schwer?

Vielleicht, weil Festhalten nicht immer bedeutet, dass uns etwas noch guttut. Manchmal bedeutet es einfach, dass etwas einmal wichtig war.

Und vielleicht braucht Loslassen deshalb nicht nur Mut. Vielleicht braucht es auch die Fähigkeit, zu erkennen, was bleiben darf – und was gehen kann.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin begegnen wir einer Wandlungsphase, die sich genau mit diesen Qualitäten beschäftigen lässt: Metall.

Zu Metall gehören die Lunge und der Dickdarm.

Metall hat eine besondere Beziehung zu Klarheit und Unterscheidung. Was gehört zu mir? Was gehört nicht mehr zu mir? Was ist wesentlich? Was darf gehen?

Denn bevor wir etwas loslassen können, müssen wir es zunächst erkennen.

Das ist meines.

Das war wichtig.

Aber vielleicht ist jetzt seine Zeit bei mir vorbei.

Der Dickdarm kennt diesen Vorgang auf körperlicher Ebene. Er übernimmt das, was nach der Verdauung übrigbleibt. Das Verwertbare wurde aufgenommen. Was nicht mehr gebraucht wird, darf ausgeschieden werden.

Nicht alles, was einmal durch unseren Körper geht, muss bei uns bleiben.

Vielleicht kennen wir dieses Prinzip auch aus anderen Bereichen unseres Lebens.

Auch die Lunge gehört zum Metall. Mit jedem Atemzug nehmen wir etwas auf. Mit jedem Ausatmen geben wir wieder etwas ab.

Einatmen.

Ausatmen.

Aufnehmen.

Loslassen.

Das Leben selbst kennt diesen Rhythmus.

Und trotzdem fällt uns das Loslassen manchmal schwer.

Vielleicht halten wir an einer Erinnerung fest, weil sie uns etwas bedeutet hat. Vielleicht an einer Vorstellung, weil wir noch nicht wissen, was an ihre Stelle treten soll. Vielleicht an einem Menschen, obwohl wir längst spüren, dass sich etwas verändert hat.

Festhalten kann Sicherheit geben.

Loslassen bedeutet dagegen, einen Moment lang nicht zu wissen, was danach kommt.

Vielleicht ist Loslassen deshalb gar nicht das Gegenteil von Festhalten.

Vielleicht gehört beides zusammen.

Wir müssen etwas aufnehmen können, um es später wieder abgeben zu können. Wir müssen etwas wertschätzen können, um es irgendwann verabschieden zu können. Und wir müssen unterscheiden können, was bleiben darf – und was nicht mehr zu uns gehört.

In der TCM ist Metall nicht nur Klarheit und Struktur. Es trägt auch die Qualität des Abschieds in sich.

Nicht als radikales Wegwerfen.

Sondern als einen natürlichen Vorgang.

Wie der Atem.

Wie der Wechsel der Jahreszeiten.

Wie etwas, das seinen Platz in unserem Leben hatte und irgendwann weiterziehen darf.

Vielleicht bedeutet Loslassen deshalb nicht, dass etwas keine Bedeutung mehr hat.

Vielleicht bedeutet es, anzuerkennen, dass seine Zeit bei uns vorbei ist.

Was hältst du gerade noch fest, obwohl du längst spürst, dass es gehen möchte?

Reise ins Organuniversum

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