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Schlagwort: Selbstermächtigung

Selbstermächtigung statt Machtdemonstration

Aus psychologischer Sicht stehen Macht und Ohnmacht häufig in Beziehung zueinander. Menschen, die sich innerlich sicher und selbstwirksam erleben, müssen ihre Position oft weniger demonstrieren. Selbstermächtigung bedeutet dabei nicht, andere zu dominieren, sondern die eigene Handlungsfähigkeit wahrzunehmen und den eigenen Platz einzunehmen. Ich beobachte oft, dass Menschen Macht eher anderen gegenüber demonstrieren, statt sich selbst zu bemächtigen. Vielleicht, weil viele von uns das Gefühl von Ohnmacht kennen — privat, beruflich oder gesellschaftlich. Und vielleicht entsteht genau daraus manchmal das Bedürfnis, wenigstens irgendwo „oben“ zu stehen. Dabei sind Macht und Ohnmacht oft näher beieinander, als wir denken. Hierarchisch höher gestellte Menschen haben mehr Verantwortung, mehr Einfluss — aber selten absolute Freiheit. Anforderungen werden weitergegeben, Druck ebenfalls. In Familien, Teams oder Organisationen entstehen dadurch schnell Dynamiken, in denen Menschen einander bewusst oder unbewusst „ihren Platz zeigen“. Und ich frage mich: Wie viel davon ist echtes Führungsverhalten — und wie viel davon ist eigentlich ein Versuch, sich selbst weniger ohnmächtig zu fühlen? Mich beschäftigt auch die Frage nach Selbstermächtigung. Denn Selbstermächtigung bedeutet für mich nicht, sich auf Kosten anderer durchzusetzen. Sondern sich den eigenen Platz zu nehmen, ohne andere verdrängen zu müssen. Vielleicht ist das wie an einem grossen Buffet: Man darf sich nehmen, was man möchte. Aber man muss nicht gleich alles leerräumen. Das Buffet ist gross genug. Trotzdem scheint unsere Gesellschaft oft auf Wettbewerb, Vergleich und Positionskämpfe aufgebaut zu sein. Und manchmal irritiert es Menschen fast, wenn jemand gar nicht kämpfen möchte. Ich persönlich habe Konkurrenz nie besonders gut verstanden. Nicht aus Schwäche, sondern weil ich Beziehungen selten als Rangordnung wahrnehme. Vielleicht auch, weil ich eher versuche, nach einer taoistischen Haltung zu leben: weniger gegen etwas, mehr im Einklang mit dem eigenen Weg. Natürlich bin ich nicht naiv. Menschen werden immer unterschiedlich sein. Macht wird es immer geben. Vielleicht wäre eine reifere Gesellschaft nicht eine ohne Macht — sondern eine, in der weniger Menschen aus Ohnmacht handeln müssen. Was denkt ihr: Entsteht Machtstreben eher aus Stärke — oder aus einem Gefühl von Ohnmacht?